
Aus einem geöffneten Parterrefenster in der Eric Street fließt ein Oasis-Song auf die Straße. Aus dem Haus gegenüber kommt ein Lockenkopf im zimtbraunen Hemd mit Schlaghose und Goldketten um den Hals, fünfundzwanzig ist er vielleicht. Die ersten drei Knöpfe des Hemdes über der weißen Brust stehen offen, die ledernen Absätze seiner Schnabelschuhe klatschen auf den Asphalt; er sieht aus wie ein Popstar, flucht und pöbelt und schreit, streckt den Mittelfinger seiner rechten Hand einem Unsichtbaren entgegen, der nichts zu erwidern weiß. Über meinem Kopf flattert ein Rabe, landet auf einem Bauzaun. Der Popstar flucht weiter, sein Opfer ein Bauarbeiter, der Star steht unter Strom, kehrt plötzlich um, reicht dem Mann vom Bau die Hand, der schüttelt lächelnd den Kopf, alles Frieden. Der Rabe blickt ihm hinterher, dem Star, wie er federnden Schrittes die Straßenseite wechselt, so tut, als habe er ein Ziel, doch er hat keins, vielleicht ein Zimmer, aus dem Musik fließt, doch da hat er die Richtung verfehlt. Ein Rabe hockt auf meiner Schulter und bedeutet mir, dem Star zu folgen. Vor einem Pub sitzt einer auf einem himmelblauen Plastikstuhl, der Torwächter, als säße er schon immer dort. Auch ihm reicht der Star die Hand und dann verflucht er ihn, zeigt ihm den Mittelfinger, hat irgendetwas geschluckt, seine Wut vielleicht, die bricht jetzt chemisch angereichert als gute Laune aus ihm heraus. Alle kennen ihn, das ist sein Revier, eine Frau mit langen grauen Haaren und karierter Einkaufstasche in der einen, glimmender Kippe in der anderen Hand umarmt ihn, küsst ihn auf die Stirn, redet dringlich auf ihn ein. Er verspricht ihr alles, sie ermahnt ihn, weiß es besser, schon hat er ihren Rat vergessen. Der Rabe breitet seine Flügel aus, Krallen bohren sich durch mein Shirt in die Haut, dann lässt er los, hebt ab, fliegt auf den Star zu. An jedem einzelnen geparkten Auto in der Straße schrillt der Alarm los, und der Popstar beginnt zu tanzen, das ist seine Musik. Er lacht und tanzt wie wild, immer lauter lacht er, bis die Sirenen zusammen mit ihm verstummen. Aus der Ferne klingt Oasis nach, eine Zugabe, jetzt lacht der Rabe und der Popstar breitet seine Flügel aus, schwebt in die Höhe, schließt zu ihm auf, unter ihnen ein Netz, das keinen auffängt.„Fuck you!“, singen sie im Chor dem Himmel entgegen, und in der Eric Street gehen, wie auf Stichwort, die abendlichen Lichter an.
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