Von ihrem Mann erzählt sie mir, Wolfgang, rückt auf der Parkbank sie immer näher. Vor vier Jahren ist er gestorben, sie hält es nicht aus in der Wohnung ohne ihn, im Park hält sie es auch kaum aus. 42 Jahre hat sie mit ihm zusammengelebt, alles in der Wohnung erinnert sie daran, an ihn, sie beide. Ich wollte als Erste gehen, sagt sie, er ist ihr zuvorgekommen. Eine andere Wohnung kommt nicht in Frage, nein, wohin dann mit der Erinnerung, die gibt sie nicht her, ich soll zuhören, nicht fragen, sie wollte nie nach Berlin, weiß nicht, ob sie Russin ist oder Ukrainerin, ihr Bruder lebt noch in Odessa, da kann, da will sie nicht mehr hin, nicht nach 42 Jahren mit ihrem Wolfgang. Kurz nach dem Mauerfall sind sie nach Stuttgart gezogen, Motoren hat er da gebaut, ihr hat es dort besonders gut gefallen, die Sprache, das Brot, die Märkte, sogar die Menschen mochte sie, nicht so in Berlin, hier gab es nur ihn für sie, hier war er glücklich, weil die Arbeit besser war, ihn nicht unterforderte, und sie mit ihm glücklich, weil er es war, ich soll zuhören. Ihr Sohn lebt in Kiel sein eigenes Leben, was soll sie in Kiel, im Kreis läuft sie, wenn sie im Park ist, die ganze Wohnung ist voller Bücher, Wolfgangs Bücher, und seine Gitarre steht da, darauf hat er für sie gespielt, seine Musik hat ihr das Leben leicht gemacht, jetzt ist das Instrument verstummt. Sie könnte auf seiner Gitarre musizieren, ein ungeheurer Vorschlag, das kann sie nicht, weist sie mich zurecht, ihr Sohn spielt Violine, ihn hat sie zur Musik gebracht, damit hat sie ihr Soll erfüllt. Es ist zu warm, sagt sie, überall, sie kann nirgends hin, ihr Wolfgang war ein Schwimmer, zusammen sind sie geschwommen, auch in Odessa, mit dem Bruder, er nur Kraul, sie alles, Brust, Delphin, Rücken, in Berlin kann man nicht schwimmen, nirgends, sagt sie, ich ziehe weiter, sage ich, ich auch, sagt sie, vielleicht noch zur Marienkirche, vielleicht dreht sie auch nur eine weitere Rund im Kreis, ohne ihn, 42 Jahre, nur die zählen, alle anderen sind verloren.
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